Thailand I: Bangkok und der Dschungel-Norden

Es ist Ende November – die Zeit, in der der Schnauzer Hochkonjunktur hat und sich jeder mit eiskalter Nase die ersten Glühweine auf den Weihnachtsmärkten hinter die Binde kippt. Bei mir steht jedoch das Weihnachtsbarometer auf 0. Möglicherweise wird das der WhatsApp-Adventskalender meiner Mutti ein wenig ändern. Bei den dauerhaften Temperaturen von 30° in einem muslimischen Land habe ich jedoch wenig Hoffnung. Hinter mir liegen drei ereignisreiche Wochen in Thailand, die ich hier in zwei Teile splitten werde. In Teil 1 geht es um die ersten Tage in Bangkok sowie den wunderschönen Norden und im zweiten Teil dreht sich alles um das Inselhopping im Süden.

Nach meinem aufregenden Flug von Kathmandu startete ich meine ersten Tage in Bangkok in einem Hostel, dass ich im Voraus online gebucht hatte. Keine Ahnung, wie ich auf diese Übernachtungsmöglichkeit gekommen bin, aber meine beste Wahl war das nicht. Bei der Anfahrt hörte ich selbst vom Taxifahrer ein verängstigendes „Oh“, weil die Zielstraße und das Gebäude alles andere als einladend aussahen. Zudem war ich zwei Tage lang der einzige Besucher des „Hostels“, welches sich am Ende als Wohnhaus der Familie mit einem dorm room herausstellte. Damit ich nicht allein in dem Achterzimmer schlafen musste, bekam ich von der Mutter und dem Sohn der Familie Gesellschaft. Ein kontaktfreudiges Hostel sah für mich jedoch anders aus. Egal, ich wollte ja eh nur dort schlafen. Ich besichtigte mittels Tuk Tuk die wichtigsten Touri-Attraktionen. Nebenbei habe ich mir sogar noch ein maßgeschneidertes Armani-Jacket aufschwatzen lassen.

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Nach zwei Tagen kam auch Sophia in Bangkok an. Ich buchte vorher ein (im Nachhinein völlig überteuertes) Zimmer inklusive Kakerlake und wir hatten noch zwei schöne Tage in Bangkok. Für mich war es zu Beginn erst einmal ungewohnt, wieder deutsch zu reden. Ab und zu habe ich Sophia einfach auf Englisch vollgequasselt. In der Stadt beobachteten wir unter anderen die Thais bei dem Zelebrieren ihres Lichterfestivals, bei dem sie Blumengestecke mit Kerzen und Essen auf das Wasser treiben ließen. Damit dankten sie dem Fluss für das täglich bereitgestellte Wasser. An allen anderen Tagen im Jahr wird dann wieder jeglicher Müll in genau denselben Fluss geschmissen. Naja, soll wohl gut für das Karma sein. Einen Abend haben wir dann auch auf der berühmten Khao San Road ein bisschen Party gemacht, bis die Polizei sowohl im Club als auch anschließend auf der Straße für Ruhe sorgte. Es ging auch ganz gut ab, aber einen Tiger fand ich am nächsten Tag nicht in meinem Bad (da hätte auch maximal eine Babykatze reingepasst). Die bekannten Ping Pong Shows (wer sie nicht kennt, sollte es mal googlen > Tipp: hat nichts mit Tischtennis zu tun) und Aktionen mit Ladyboys haben wir dann doch ausgelassen (die hübschesten Frauen in Bangkok waren übrigens Ladyboys). Der darauffolgende Tag wurde logischerweise zum Chillen genutzt – inklusive einstündiger Thaimassage und einer Prozedur, in der uns unzählige kleine Fische die Hautschuppen von den Füßen knabberten. Klingt eklig, war aber super kitzelig.

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Mit ungeheuerlich weichen Füßen trauten wir uns im Anschluss, unsere kulinarische Erfahrung ein wenig auszuweiten. Auf der Speisekarte standen: Heuschrecken, fette Maden, kleine und große Würmer, Frösche, Skorpione und als Sahnehäubchen eine Kakerlake. Außer die letztgenannte war auch nichts wirklich eklig. Die Kakerlake war aber echt zu viel: ekelhafter Geschmack trifft auf nicht enden wollendes Kauen, weil man den Panzer einfach nicht kleinkriegt. Das genau zu dem Part des Gaumenschmauses die Kokosmilch leergetrunken war, passt natürlich voll rein.

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Aber abgesehen von diesem Snack fand ich in Bangkok (und in Thailand allgemein) das leckerste und vielfältigste Essen überhaupt. Die Kilos, die ich in Nepal verloren hatte, habe ich nach den letzten drei Wochen definitiv wieder drauf. Richtig authentisch, gut und billig aßen wir immer auf kleinen Plastikstühlen direkt an/auf der Straße. Da man uns oft nicht verstand, bekamen wir immer das, was uns einfach vorgesetzt wurde. Und außer einigen Malen, bei denen ich vor Schärfe richtig Schmerzen in der Mundgegend hatte, war es immer richtig lecker.

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Mit dem Nachtzug ging es im Anschluss Richtung Norden. Nach zwölf Stunden Fahrt kamen wir im schönen Chiang Mai an, in dem wir abends auf dem riesigen Sonntagsmarkt in Sachen Essen & Trinken wieder ausgiebig zuschlugen. Danach gab es das auf meiner Reise bisher schönste Bild: weit über 50 junge Mönche saßen unter einem Baum und zelebrierten das Lichterfestival. Überall waren unzählige Kerzen aufgestellt und selbst die vielen Touristen mit ihren Kameras konnten die Gänsehautstimmung nicht mindern (hier hätte ich wirklich gern eine richtig gute Kamera gehabt, weil die von mir gemachten Bilder nicht im Ansatz die tatsächlichen Farben wiederspiegeln). Am Ende wurden die bekannten kleinen Heißluftballons in den Himmel geschickt. Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir zu genau dieser Zeit in Chiang Mai waren, da Loi Krathong so speziell nur in diesem Ort und auch nur Anfang November gefeiert wird.

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Am nächsten Morgen starteten wir mit einigen Amerikanern, zwei Franzosen und zwei Holländern eine dreitägige Trekkingtour durch den Dschungel Thailands. Während dieser Tage ritten wir unter anderen auf Elefanten. Im Nachhinein würde ich es aber nicht nochmal machen, da die Umgangsweise und die Haltung der Dickhäuter alles andere als artgerecht war. Auch aus diesem Grund habe ich dann die anfangs geplante Tiger-Streichel-Einheit von meiner to do-Liste gestrichen, da dort wohl dieselben Bedingungen vorzufinden waren. Abends starteten unsere Guides ein Trinkspiel, was letztendlich ein wenig ausartete (siehe Foto). Vereinfacht kann man sagen, dass die Verlierer des Spiels am meisten Ruß am Körper hatten.

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Am folgenden Tag wanderten wir viel entlang der Reisfelder und einigen Wasserfällen – super Aussicht. Zwischendrin besuchten wir das Dorf der Langhalsfrauen. In dem (ich glaube für Touristen gebauten) Dorf, konnte man die aus Myanmar geflüchteten Frauen bestaunen, die aufgrund ihrer Tradition ab dem zweiten Lebensjahr Ringe um den Hals legen. Je mehr Ringe eine Frau trägt, umso schöner ist sie. Die Ringe können bis 10kg schwer sein und wenn sie die Ringe abnehmen, würde ihr Kopf einfach zur Seite herunterfallen, weil jegliche Halsmuskulatur verschwunden ist. Es war sehr interessant zu sehen, was es doch alles für unterschiedliche Schönheitsideale gibt. Aber ich fühlte mich so unangenehm, weil man sich letztendlich wie in einem Zoo vorkam.

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Unser „Lunchpaket“ bestand während der Tage immer aus Reis oder Nudeln in große Bananenblätter verpackt. Die Essstäbchen dafür schnitzten uns die Guides direkt vom dem Essen – richtig cool. Trotz einiger äußerst poröser Bambusbrücken kamen wir auch den zweiten Abend in unserer Luxusunterkunft an. Zuvor wurden wir noch zu einem Fuball-Tennis ähnlichem Spiel eingeladen, was hier bei den Männern wohl fast Nationalsportcharakter hat. Durch meine skills aus meiner Sportschulzeit („Aufwärmspiel“ Ankacken) war ich gar nicht so blind wie erwartet. Empfangen wurden wir mit selbstgebrannten Reisschnaps und Zigaretten aus selbst angebauten Tabak und Bananenblättern. Und ich probierte beides, wobei die Zigaretten wie erwartet nicht so mein Ding waren. Aber es wäre eben echt unhöflich gewesen, abzulehnen. Am nächsten Morgen gelangten wir mittels Bamboorafting wieder zurück nach Chiang Mai.

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Hier schauten wir uns mit einigen Trekkingpartnern am Abend sieben Thaibox-Kämpfe an. Und Entschuldigung für die Ausdrucksweise, aber: Alter Schwede, haben die sich auf die Fresse gehauen! Die Zuschauer sind in der Arena echt ausgetickt und selbst ich als absoluter Kampfsportlaie (von meinem orangenen Judogürtel aus der Uni mal abgesehen) habe gut mitgefiebert. Es hätte nur noch gefehlt, dass Brad Pitt in den Ring springt und die Regeln des Fight Clubs in das Mikro brüllt.

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Danach sind wir mit dem Bus noch weiter Richtung Norden bis Chiang Rai gefahren. Dort haben wir uns für drei Tage einen Motorroller gemietet und haben die Umgebung erkundet. Abgesehen davon, dass ich mich manchmal wie Jim Carrey in Dumm und Dümmer auf dem Moped gefühlt habe (durch die Nussschale auf meinem Kopf hatte ich nicht so viel Schutz für den Insekten), hat das Fahren richtig Spaß gemacht. Nach acht Kilometern hatten wir zwar den ersten platten Reifen, aber glücklicherweise war 100m entfernt eine kleine Werkstatt. Von vierspurigen Straßen kamen wir zu verlassenen kleinen Wegen, die mit Kokospalmen und Bananenbäumen verziert warten. Wir fuhren zuerst zum Tempel Wat Ron Khun – einer unglaublichen Anlage.

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Danach ging es Richtung Goldenes Dreieck (dort trennt nur der Mekong Thailand, Myanmar und Laos). Hier war früher einer der größten Drogenschmuggelplätze der Welt, bis die Regierung härtere Sanktionen auf den Opiumanbau setzte. Der Aussichtspunkt war jedoch alles andere als spektakulär, da man außer dem dreckigen Mekong und einige bebaute Fleckchen auf der anderen Seite nichts sah. Aber hier war eben der Weg das Ziel. Zurück in Chiang Rai gab es auf den Nightmarkets nochmal alles, was das Herz begehrte: von Tintenfisch bis Schweinedarm blieben keine Wünsche unerfüllt.

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Nach der Rückfahrt nach Chiang Mai verbrachten wir dort einen letzten Tag und genossen noch einmal die unendliche Freundlichkeit der Menschen. Sobald man nur drei Sekunden orientierungslos auf der Straße stand (und das passierte uns häufig), kamen die Thais gleich zu einem und wollten helfen – fehlende Englischsprachkenntnisse hin oder her. In den Touristengebieten wie Bangkok oder einigen Inseln ging es zwar ein bisschen ruppiger zu, aber die grundsätzliche Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft und das dauerhafte Lächeln werden mir im Gedächtnis bleiben. Am kommenden Morgen stand uns ein Inlandsflug von Chiang Mai in die südliche Stadt Krabi bevor. Ich war gespannt auf die tollen Strände mit dem türkisfarbenen Wasser. Ab sofort sollte nur noch relaxed werden.

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