Peru: Im Expresstempo durch die magischen Inkastätten

Nachdem ich den netten Haitianer am Flughafen in Florida mit meinen „hugs“ fast erdrückt habe, freute ich mich riesig auf Gluzi, der schon in Lima auf mich wartete.

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In Perus Hauptstadt angekommen, tänzelte ich mich mit meinen Rucksäcken durch zig traditionell gekleidete Peruaner, die für mich (oder eher für irgendeinen hochrangigen Politiker) in der Empfangshalle des Flughafens mit voller Puste in ihre Panflöten bliesen. So hatte ich mir das vorgestellt! Mit dieser passenden Hintergrundmusik fand ich Gluzi am anderen Ende der Halle und nach einem wenig gesunden aber absolut notwendigen McDonalds Menu schlugen wir uns am Flughafen die Nacht um die Ohren weil wir am frühen Morgen den ersten Flieger nach Cusco (3500m über dem Meeresspiegel) bekommen wollten. In der früheren Hauptstadt des Inkareiches bekamen wir es erst einmal mit der Höhe zu tun. Mein Schlafentzug der letzten beiden Tage förderte mein Wohlbefinden außerdem nicht unbedingt. Trotzdem starteten wir unsere erste kleine Sightseeing-Runde in der Mittagssonne, um kein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Gluzi hatte immerhin nur zwölf Tage Zeit und dieser Umstand ließ meine geplante Tour zu einer echten Aufgabe werden. In diesem Punkt gibt es noch einmal einen dicken Knutscher an Inken, die ihren Mann trotz der süßen zehn Monate alten Lynn zu mir nach Südamerika reisen ließ (über die abzubauenden Punkte in den kommenden Monaten schreibe ich jetzt nichts) – würde nicht jede Frau machen! Nachdem Gluzi nach jeder dritten Treppenstufe schnaufte wie Jim`s Lokomotive und ich beinahe im Stehen einschlief, kapitulierten wir um 14 Uhr und kämpften uns auf direkten Weg in unsere Betten im Hostel. Trotz der eingeschränkten Wahrnehmung meinerseits spürte ich aber, dass Cusco für mich eine ganz besondere Stadt war – das Flair haute mich einfach um.

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Nach unserem Dornröschenschlaf hatten wir uns am kommenden Tag einiges vorgenommen. Höhepunkt sollte bei unserer ganztägigen Wanderung die Ruine der Festung Sacsayhumán (von uns und allen anderen Touristen liebevoll „sexy woman“ genannt) sein. Es war absolut unbegreiflich, wie die Inkas in einer Zeit ohne Rad und Rolle (und Sixt) die bis zu 200 Tonnen schwere Brocken 20km transportiert haben (das wissen übrigens auch die schlauen Wissenschaftler noch nicht). Der ehemalige Bundesligaspieler Gluzi dagegen hätte an diesem Tag keinen Kieselstein tragen können – auf einer Höhe von 3800m machte ihn die dünne Luft immernoch zu schaffen und trotz vieler Pausen blieb die verbale Unterhaltung an mir kleben (was mir bekanntermaßen nicht sonderlich schwer fiel).

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Neben einigen anderen erstaunlichen Inkaruinen teilte ich beim Mittagessen mit meiner neuen Freundin mein Omelette und Cappie und im Anschluss überlegten wir kurz, ob wir uns von einem netten Man zurück in die Stadt fahren lassen sollten. Nachdem dieser aber innerhalb einer Minute beinahe dreimal stürzte und wir trotz Gegenwind die Promillewerte aus seinem Atem raten konnten, liefen wir doch lieber mit einigen wilden Lamas an der Jesusstatue vorbei zurück ins schöne Cusco, wo mich die extreme Armut der Menschen doch überraschte (fast ausnahmslos alle Häuser verblieben im Rohbau und Fenster fehlten trotz extremer Kälte in der Nacht häufig).

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Nach einem hier typischen 3 Gänge Menü zum sensationell günstigen Preis (endlich mal wieder ein billiges Land zum reisen) gab es für mich ein Wiedersehen mit Delfi, die ich in Nepal kennenlernte und mit der ich dort eine ziemlich prägende Zeit hatte. Da wir uns damals so gut verstanden, hielten wir einen zweiten gemeinsamen (Trekking-) Urlaub für eine ganz gute Idee. Und da Gluzi und ich uns bisher mehr schlecht als recht mit meinem Spanisch durchschlugen, kam uns eine gebürtige Argentinierin mit Muttersprache Spanisch ganz recht.

Somit machten wir uns auf die aufwendige Reise Richtung Machu Picchu. Wir waren zwei komplette Tage unterwegs (für insgesamt 70 km: Bus, Collectivo, Taxi, Wandern), da wir uns den völlig überteuerten Zug nach Aqua caliente am Fuß des Machu Picchu sparen wollten. Der Lohn dafür war eine überragende Aussicht, viel Spaß auf dem Weg, mehr Geld im Portmonee und die Erkenntnis, dass man in Südamerika wirklich nicht (!) Klopapier in die Toilette schmeißen darf.

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Von Aqua caliente ging es mit vielen anderen Backpackern um 4.30 Uhr in Richtung der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Südamerikas: zu einem der sieben neuen Weltwunder Machu Picchu. Nach einem zweistündigen Aufstieg blickten wir auf das magische Inkadorf, über dem sich während des Sonnenaufgangs langsam der Nebel lichtete. Der Ausblick und die Augenblicke waren so magisch, dass ich für kurze Zeit sogar die 1999 anderen Besucher ausblenden konnte, die täglich die Festung stürmen. Nach einigen Minuten des Genießens gab es die obligatorischen „big pictures“ inklusive des zur Tradition gewordenen High five Bild zwischen Delfi und mir.

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Danach starteten wir unsere 2877 Stufen lange Wanderung auf den Machu Picchu Mountain, um eine noch bessere Aussicht zu bekommen. Neben den wirklich fies errichteten Stufen taten die pralle Sonne und unsere knurrenden Mägen (unsere anfangs belächelte Bananenstaude lag noch in aller Seelenruhe im Hostel) ihr Übriges dazu, dass auf der Bergspitze (unglaublicher Ausblick!) keiner mehr Witze über das noch Kommende machte – weitere sieben Stunden Rückweg standen noch auf dem Programm. Da half selbst meine Inkamusik nicht mehr, die mir ein Backpacker aus Kolumbien auf Hawaii gegeben hatte und dem ich versprechen musste, diese auf dem Machu Picchu zu hören. Versprechen eingehalten!

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Nach dem obligatorischen Abstecher durch das Dorf und einer weiteren Extrarunde zum hochgelobten Sungate gab es noch einen Machu Picchu-Stempel in den Reisepass und dann machte ich mich mit meinen beiden Wanderfreunden wieder Richtung Aqua caliente, um nach einer kurzen Pause unser gesamtes Gepäck aufzusetzen und in völliger Dunkelheit drei Stunden zum nächstmöglichen „Taxistand“ zu laufen. Diese physische und psychische Höchstleistung war auch nur zu bewältigen, weil vor allem Gluzi auf seine Happy Hour während unserer Pause bestand. Happy Hour hieß hier jedoch glücklicherweise 4×1, sodass 4 Bier (+ 1 Wegbier) die Schmerzen für die erste Stunde linderten. Die letzten lief er dagegen teilnahmslos neben Delfi und mir und beschrieb den Tag später als den zweithärtesten seines Lebens – dafür fliegt man doch gern bis nach Südamerika in seinem Urlaub. Typischer Sunday Funday eben.

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Nach dem aufwendigen Rückweg nach Cusco buchten wir eine elfstündige Nachtbusfahrt nach Arequipa, bei der der Fahrer wohl austesten wollte, wo die Klimaanlage ihre Grenzen hat. Alle Peruaner wurden anscheinend über diesen Test informiert, da sie mit Jacken, Mützen und Decken bestens ausgerüstet waren. Wir dagegen stolzierten siegessicher im T-Shirt und kurzer Hose zu unseren Plätzen – bei einer bereitliegenden Decke von der Größe eines Geschirrhandtuchs wurde es äußerst unbequeme Nacht. Seit dieser Fahrt wussten wir es besser. Nachdem wir in der „weißen Stadt“ ankamen, entspannten wir an der plaza central (die es in wirklich jeder Stadt in Südamerika gibt) und informierten uns, wie wir von hier zum zweittiefsten Canyon der Welt kommen konnten.

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Um unseren Biorhythmus komplett aus dem Gleichgewicht zu bringen, nahmen wir in der kommenden Nacht um 2.30 Uhr einen Bus zum Colca Canyon, der doppelt so tief wie der Grand Canyon in der USA ist. Am Startpunkt angekommen, empfangen uns nicht nur die riesigen Kondore. Mich faszinierte vielmehr der Videodreh einer traditionellen peruanischen Musikband, die alles aus sich herausholte.

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Nachdem Delfi und Gluzi mich gefesselten Groupie vom Ort des Geschehens wegreißen konnten, begaben wir uns mit einigen Wildpferden auf den Weg in den Canyon. Und zwar ganz zum Leid Gluzis, der uns vorher nicht deutlich genug kommuniziert hat, dass er in seinem Urlaub langsam echt keine Lust mehr auf laufen hatte und nach wie vor mit seinem teilweise besorgniserregenden Sonnenbrand zu kämpfen hatte. Als wir dann auch noch den falschen Weg einschlugen, suchte ich vergeblich Snickers-Riegel, um die Diva zu beruhigen.

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Einen beeindruckenden Sonnenuntergang und eine Oase namens „garden Eden“ am tiefsten Punkt des Canyons ließen aber auch bei ihm wieder die Schönheit der Natur in den Vordergrund treten.

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Nach Sichtung eines Swimming Pools gab es dann auch keine lange Diskussion darüber, hier spontan einen Tag länger zu bleiben und die Wunden der letzten Tage zu kurieren. Typisch deutsch mussten die weißen Socken aber selbst im Pool angelassen werden, weil unserem Familienvater bei weiterer Sonneneinwirkung wahrscheinlich die Füße abgefallen wären. Und wie hätte er dann in seinen nächsten Urlauben noch wandern wollen?

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Nachdem wir im Canyon ein Erdbeben (Delfi war ganz aufgeregt, Gluzi und ich haben es verschlafen) und einen Sandsturm, bei dem reihenweise die Dächer (=Wellplatten mit Steinenzur Befestigung) wegflogen, überlebt hatten, wanderten wir am nächsten Morgen in Rekordzeit wieder den Canyon hinauf.

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Zurück in Arequipa mussten wir uns leider nach zehn überragenden Tagen von Delfi verabschieden, die ihre Reise Richtung Ecuador fortsetzte. Gluzi und ich nahmen den nächsten Bus nach Puno, um an der Hafenstadt einen ersten Eindruck vom weltbekannten Titicacasee zu bekommen. Das höchstgelegene schiffbare Gewässer der Erde verbindet Peru und Bolivien miteinander und ist auf der peruanischen Seite vor allem durch die 49 Uru-Inseln (oder auch „schwimmende Inseln“) bekannt. Diese bestehen nur aus Schilf und geben zwar auch ganz nette Urlaubsbilder ab, aber zu mehr reichte es leider auch nicht. Ähnlich wie damals bei den Langhalsfrauen in Thailand habe ich mich mehr wie in einem inszenierten Touristenzoo gefühlt als bei einer wirklich autark lebenden indigenen Bevölkerung.

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Das war auch der Grund, weshalb wir an unserem letzten Tag anstatt einer weiteren Inseltour einen ganz entspannten Tag in Puno verbrachten. Nach einem wieder einmal interessanten Friseurbesuch, einer komplizierten Postkartensuche, einem erfolglosen Videoautomatenspiel sowie einem letzten Alpacasteak beendeten wir unseren Urlaub mit einem Film auf dem Laptop wie zu der guten alten Sportschulzeit in Erfurt. Am folgenden Morgen nahm Gluzi einen Inlandsflug nach Lima, um von dort zurück nach Deutschland zu fliegen. Mir reichten die 46 Stunden Busfahrt in den letzten zwölf Stunden nicht, sodass ich weitere acht Stunden am Titicacasee entlang fuhr, um noch am selben Tag in Boliviens Regierungssitz La Paz auf Lisa zu treffen, die mit mir meine letzte Reise bestreiten will, bevor es auch für mich zurück nach Deutschland geht. Sport frei zur finalen Runde!

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