Dubai

13.10. 4:00 Uhr Delhi Airport

 

Eine weitere Woche ist wie im Flug vergangen (deshalb sitze ich wohl auch schon wieder im Flughafen und warte auf meinen Anschlussflug). Nach dem südlichen Afrika standen fünf Tage Dubai auf dem Programm – und damit der wohl krasseste Gegensatz meiner bisherigen Tour. In einem Satz zusammengefasst: Geld macht wirklich alles (!) möglich.

Nachdem Paul und Sandra auf die letzte Minute ihr „go“ für unseren zweiten Flug von Johannesburg nach Doha bekommen hatten (Paul wird wohl eine fette Telefonrechnung zu fluege.de schicken), stiegen wir in das für mich bisher luxuriöseste Flugzeug (Qatar Airline) und selbst Sandra konnte ihre Flugangst aufgrund des umfangreichen Entertainmentprogramms fast vergessen. Nach der schnellen Verabschiedung in Doha (war für alle besser) ging es für Kathi und mich weiter nach Dubai. Nach einer knappen Stunde Flugzeit haute mich die Temperatur (33°) und Luftfeuchte um 4 Uhr nachts fast um. In unserem 25km entfernten Apartment schliefen wir erst einmal bis mittags, da die 1,5 Tage fliegen nicht gänzlich an uns vorbeigegangen sind. Auch aus diesem Grund nahmen wir uns vor, den ersten Tag ganz entspannt angehen zu lassen. Daraus wurde aber nichts. Unser Plan, mit den Fahrrädern zur bekannten künstlich angelegten Insel „the palm“ und dem danebenstehenden Burj Al Arab (einziges 7* Hotel der Welt) zu fahren, ließ sich schwieriger realisieren als anfangs gedacht. Da es in Dubai so gut wie nie Bürgersteige oder Fahrradwege gibt (bei der Hitze fahren einfach alle in ihren klimatisierten Wagen, draußen ist außer den Gastarbeitern fast nie jemand zu sehen) und die Autofahrer fahren, als kämen sie gerade von der Rennstrecke in Abu Dhabi (später dazu mehr), mussten wir riesige Umwege fahren, um Richtung Strand zu kommen. Nach 1,5h Fahrt wollten wir Pause machen und uns im Subway etwas zu trinken kaufen. Der Mitarbeiter reichte uns gleich Servietten, die wir dankend ablehnten, da wir nichts zu essen bestellen wollten. Er wollte sie uns auch nur geben, weil wir wohl so aussahen, als sollten wir schleunigst unseren Schweiß abwischen. Das Wetter war aber wirklich unglaublich. Ich liebe die Sonne und den Sommer – aber das war teilweise wirklich nicht auszuhalten. Die 37° waren gefühlt wie 50° in Afrika. Die extreme Luftfeuchte gab einem das Gefühl, in einer Sauna Fahrrad zu fahren – natürlich mit Klamotten. Aber wir wollten es ja so. Ich weiß aber wirklich nicht, wie die Menschen hier im August bei 50° leben können. Nach unserem Stopp fühlte ich mich immer mehr wie in den PC-Spielen GTA oder Need for Speed. Nur leider fuhr ich nicht einen dieser krassen Schlitten (Luxuswagen kamen wirklich durchgehend an einem vorbeigefahren) sondern war diejenige Person, die von den Autos immer fast umgefahren wurde in all dem Chaos. Nach einigen unfreiwillig gefahrenen Extrakilometern trafen wir zum Glück einen anderen Radfahrer, der uns den Weg zum Strand zeigte. Vaha kam aus Bosnien und hatte seit einigen Jahren ein Restaurant in Dubai. Nach dem Sonnenuntergang tranken wir noch einen Kaffee mit ihm und er erzählte uns viel über die Stadt und seine Menschen und das ihm Europa fehlt. Und mein erster Eindruck bestätigte sich: in Dubai ist man, um Geld zu verdienen und Karriere zu machen. Für Freundschaften knüpfen oder Kultur zu erleben (welche Kultur eigentlich in dieser frisch aus dem Boden gestampften Stadt?) bleibt da keine Zeit. Im Apartment angekommen, hatte Arun, der Hausbesitzer, schon für uns gekocht. Wir waren nach dem Tag absolut k.o., saßen aber trotzdem noch mit ihm bis 2 Uhr in der Küche und quatschten.

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Am nächsten Tag besuchten wir neben dem Spices and Gold Souk (haben wir uns größer/schöner vorgestellt) die Dubai Mall, das größte Einkaufszentrum der Welt (bezüglich der m²-Zahl). Und da gab es wirklich alles. Während die Kinder in der obersten Etage in einem Freizeitpark (!) beschäftigt werden konnten (da hätte ich Joel sehen wollen), konnten die Erwachsenen in den unteren Etagen ihr Geld ausgeben, wofür sie nur wollten. In der unteren Ebene, in der Gucci, Prada & Co Reihe an Reihe zu finden waren, trugen die Frauen der Scheiche ihre Tütchen ins Freie (keine Ahnung, wofür die das kaufen, da ich sie immer nur in ihrer Burka gesehen habe und mir erklärt wurde, dass dies außerhalb ihrer Wohnung auch die Regel ist). Falls dann noch Kleingeld übrig bleibt, kann das im Kino, Unterwasserzoo oder auf der Kunsteislaufbahn ausgegeben werden (in einer anderen Mall gibt es eine Skiabfahrthalle). Um 18 Uhr haben wir uns dreimal „the Dubai fontain“ angeschaut – der weltweit größte musikgesteuerte Springbrunnen. Jede halbe Stunde warten tausende Menschen auf das ca. fünfminütige Kunstwerk. Für mich war es die schönste Attraktion Dubais. Abends saßen wir wieder mit Arun und seiner schwedischen Freundin, die er zuvor am Flughafen abgeholt hat, zusammen und genehmigten uns einige belgische Biere. Alkohol gibt es aus religiösen Gründen in der ganzen Stadt nicht zu kaufen (außer in Hotels, dann mind. 8€/Bier). Arun muss seine Bierchen immer aus 100km Entfernung holen. Da uns das Bier wohl zu sehr in den Kopf stieg (hatte auch 8%), kamen wir auf die glorreiche Idee, Arun mit seinen 40 Jahren noch nachts um 4 Uhr im Pool schwimmen beizubringen. Da er dann aber außer dem Rettungsring nichts im Pool anhatte, wollte letztendlich doch niemand mehr den Lehrer spielen. Somit endete auch der zweite Tag sehr spät.

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Am kommenden Tag versuchte ich, meine Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen. Der Weg zum Supermarkt half mir bei den Temperaturen nicht sonderlich. Wir wollten an unserem lazy day nun auch einmal für Arun kochen, der in der ganzen Zeit wirklich unglaublich nett war. Neu war hier, dass das das Abteil für Schweinefleisch abgetrennt und extra beschrieben war mit: „Nur für Nicht-Moslems“. Selbst im Supermarkt wurde fünfmal am Tag aus den Lautsprechern gebetet. Alles in allem ist hier (außer Cola, Fanta & Co > ein Hoch auf die Zuckerindustrie) wirklich alles teuer. Für 2kg Kartoffeln haben wir beispielsweise schon über 6€ bezahlt. Während des gemeinsamen Kochens gab es dann im Wohnzimmer eine spontane Modenschau. Kathi gab da irgendwie ein besseres Bild ab als ich. Und nach dem Essen wieder dasselbe Spiel: wir waren kaputt und wollten „eigentlich“ schlafen. Da kommt plötzlich ein Anruf von Aruns Freunden mit der Anfrage auf einen Diskobesuch. Also ab ins Auto und los in die Stadt. Vorher wurde ich noch davor gerügt, dass ich doch niemals mein „Wegbier“ mitnehmen dürfte – darauf steht hier eine lange Haftstrafe. Dafür fuhren wir im „Fast & Furious-Style“ mit 160km/h durch die Stadt (erlaubt waren 60km/h, aber die bezahlen hier auch nur für Benzin 30cent/Liter). Und dabei wurden wir noch komisch angeschaut, warum wir uns anschnallen wollten. Nach einer coolen Partynacht fiel ich um 4 Uhr ins Bett – Entspannung sieht echt anders aus.

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Noch bitterer war, dass wir zu Beginn mit Arun ausgemacht haben, dass er uns am folgenden Morgen um 9.30 Uhr in eine Outlet-Mall fährt. Demzufolge sind wir dann auch wie Zombies durch die Gänge geirrt. Danach gingen wir in ein typisch arabisches Restaurant, in dem man auf dem Boden und mit den Händen aß. Das Essen war super lecker; einzig der Weg vom Teller zum Mund war beim Reis nicht immer einfach. Im Anschluss gab es noch DIE Touristenattraktion – das Hinauffahren auf das höchste Gebäude der Welt, dem Burj Kahlifa (829m), an dem Tom Cruise in Mission Impossible IV bereits heruntergerannt ist. Für mich ist dieses Gebäude absolut surreal. Die ganze Stadt besteht aus sehr vielen Hochhäusern, die Frankfurt wie ein kleines Dörfchen aussehen lassen würden. Und mitten zwischen diesen Brocken ragt der Burj Kahlifa in den Himmel und lässt alles andere wie Spielzeug wirken. Da wir aber fanden, dass der Sonnenuntergang sicher schöner von einem anderen Wolkenkratzer aussieht, da von dort dieser Riese direkt zu sehen ist, wollten wir in einem nahegelegenen 5*-Hotel in den 60. Stock fahren und von da die Aussicht genießen. Leider sah man uns aus 100m Entfernung an, dass wir wohl keine Gäste des Hotels waren, sodass in der Eingangshalle sofort ein Bediensteter auf uns zukam. Von Arun wusste ich, dass wir bis zum Restaurant hochfahren konnten und nichts bezahlen müssen, um die Aussicht zu genießen. Deshalb sagte ich, dass wir in das Restaurant in den 60. Stock wollen. Der einzige Kommentar war: „There is a dress code.“ Und anscheinend beinhaltete der keine Shirts, kurze Hosen und Flip Flops, sodass wir nach außen geleitet wurden. Dort angekommen, änderten wir unsere Taktik. Wir suchten uns einen anderen Eingang und taten, völlig unbeeindruckt von den ganzen Bentleys & Co am Eingang so, als ob wir hier wohnen würden. Wir nahmen einfach den erstbesten Aufzug, der aber leider nur bis zur 13. Etage fuhr. Dummerweise konnte der nur mit einer Zimmerkarte bedient werden. Als ein Mitarbeiter hinzukam und uns fragte, wohin wir wollen und warum wir keine Karte dabei haben, wich ich irgendwie aus und meinte, dass wir in den Spa- und Wellnessbereich wollten. Dumme Idee. Dort angekommen, drehten wir sofort wieder um und suchten uns einen weiteren Fahrstuhl. In diesem ging es auch bis in den Stock 61 – eine Aussicht gab es jedoch nicht, sodass wir letztendlich aufgaben und nach Hause fuhren. Es ist schon interessant, wie wir vor zwei Wochen in Afrika dachten, wir wären die reichsten Menschen der Welt und werden nun mehr oder weniger rausgeschmissen, da wir zu „arm“ aussehen. Am Abend fuhren wir mit Arun und Margareta direkt auf „the palm“, wo wir u.a. gezeigt bekamen, wo Diego Maradona wohnt. Danach ging es in das bekannte Atlantis-Hotel, um uns dort das Aquarium anzusehen. Auf dem Rückweg gingen wir an einem Rolls Royce vorbei, dem an der Motorhaube das bekannte Logo fehlte. Genau in dem Moment, indem Arun die Stelle berührte, fuhr das Logo aus dem Inneren heraus und Arun wusste nicht mehr, was los war. Im Nachhinein wissen wir, dass hinter dem Luxusschlitten ein Taxifahrer parkte, der wohl die Schlüssel vom Besitzer bekam, auf das Auto aufpassen sollte und sich einen Spaß mit uns machte. In Deutschland werde ich das nächste Mal auch einen Taxifahrer bestellen, dem ich meinen Schlüssel für mein Fahrradschloss gebe.

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Den letzten Tag verbrachte ich mit ausschlafen, Klamotten waschen (wer weiß, wann/ob ich in Nepal eine Waschmaschine sehe), skypen, Sport machen (extra vorher die Klimaanlage im Zimmer auf superkalt gestellt), dem Aufladen aller elektrischen Geräte und mal wieder packen. Da ich am Ende jedes besuchten Landes mehr Klamotten habe, muss ich langsam anfangen, auszusondern. Mit Arun habe ich getauscht: ich bekam einen Pullover und eine Regenjacke (die hat ein Nepal-Reisender bei ihm gelassen) und ich gab ihm meine Jacke, die ich aus Deutschland mitgenommen hatte und die für den Himalaya sicher irgendwann zu wenig ist. Nachdem wir das letzte Mal bekocht wurden, bedankten wir uns 100mal bei Arun, der uns die fünf Tage definitiv versüßt hat. In einem Hotel hätten wir diese Stadt niemals so intensiv kennenlernen können. Ich hoffe, er kommt noch einmal nach Deutschland, so dass ich dort auch so gastfreundlich sein kann.

Nach der Taxifahrt in der rush our und einigen beschränkten Hupern auf dem Weg zum Flughafen (hier heißt es manchmal wirklich: Auto kompensiert Hirn), haben wir den ersten Flug hinter uns gebracht. Hier in Dehli auf dem Flughafen merkt man auch gleich, wo man ist. Neben dem Stress, der hier irgendwie grundlos gemacht wird, hören wir aus allen Ecken das wunderschöne Hochziehen des kompletten Naseninhaltes – und das im Kanon. Erinnerungen an meinen Chinaaufenthalt kommen zurück.

Alles in allem ist Dubai eine wirklich faszinierende Stadt, die man wirklich gesehen haben muss. Die unzähligen Wolkenkratzer lassen einen richtig schrumpfen, wenn man zwischen ihnen hindurchgeht. Ich bin aber froh, die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte nur als Stop over genutzt zu haben, weil mir das hier auf Dauer irgendwie alles to much ist. Vielleicht auch aufgrund der Erlebnisse der letzten zwei Monate fand ich es irgendwie befremdlich (und auch falsch), für was hier alles Geld ausgegeben wird und wurde, einzig um zu demonstrieren, dass man der größte Hecht im Teich ist. Arun sagte mir, dass jeder hier zuerst gefragt wird, wo er wohnt und welches Auto er fährt. Passt das dem Fragenden nicht in sein Schema, ist meist danach Schluss. Für mich, der gerade keinen festen Wohnsitz und kein Auto hat, also eine ziemlich unschöne und oberflächliche Art zu leben. Auch deshalb freue ich mich riesig auf das sehr arme Land Nepal, den Bergen und den Hindus. Ich bin super gespannt, weil es jetzt wieder von dem einen Extrem in das andere Extrem geht. Irgendwie fahre ich hier dauernd Achterbahn – nur, ohne zwischendurch auszusteigen.

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