De Hoop, Kapstadt, Windhoek

 

04.9. 22:00 Uhr – De Hoop, Kapstadt

Ich sitze gerade im Intercape Bus, der uns innerhalb 20 Stunden von Kapstadt nach Namibias Hauptstadt Windhoek bringen soll. Hinter mir liegen ein Tag in De Hoop und vier Tage in der Metropole Kapstadt.

In De Hoop wurden wir von einer Knustperhexe empfangen (hat nur noch die schwarze Katze gefehlt). Wir hatten unsere vorerst letzte Nacht im Zelt vor uns und hofften, dass diese nicht allzu kalt ausfallen würde. Wir fuhren zu einer großen Dünenlandschaft und sahen mehrere Wale nur wenige Meter vom Strand aus schwimmen. Als Souvenir nahmen wir uns den Sand der Düne mit – leider nur in den Zwischenräumen unserer Kameras. Abends hatten wir uns zum Ziel gesetzt, alles Essbare zu verwerten, um Platz für Kathi im Auto zu schaffen. Daher gab es Nudeln in Kombination mit süßen Mais oder Thunfisch (mit Knoblauchsoße). Bei den Zutaten kam selbst Sandra an ihre Grenzen. Danach gab es noch ein paar Folgen The big bang theory und einen Film im Zelt.

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Am nächsten Morgen quälten wir uns bereits 6.30 Uhr aus dem warmen Schlafsack heraus. Wir wollten Kathi ja am Flughafen nicht warten lassen. Beim Outdoor-Frühstück machte uns ein Affe schnelle Beine, indem er uns mit seiner Größe und seinem Knurren offenherzig zeigte, dass der Inhalt des Mülleimers ihm gehörte und wir gefälligst fernbleiben sollten (anscheinend stehen Affen auf Nudeln mit Thunfisch-Knoblauchsoße). Nach 2 Stunden Fahrt warteten wir am Flughafen auf Kathi, die sich aber Zeit ließ und als Letzte herauskam. Aber bei ihr ging alles gut und das Gepäck ist auch vollständig mitgekommen, sodass wir im Tetris-Style in Mesut einstiegen und Richtung Apartment fuhren. Dieses ließ dann auch keine Wünsche offen. Nicht nur aufgrund der Unterkünfte der letzten Tage fanden wir den puren Luxus vor. Zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer und ein riesen Wohnzimmer mit Küche und Tisch (!) ließen unsere Augen aufleuchten. Der große Flachbildfernseher, Trockner und die Waschmaschine waren das i-Tüpfelchen. Wir schauten uns an dem Abend noch das WM-Stadion und die Gegend um die Waterfront an und planten die nächsten Tage.

Die Wetterprognose war perfekt. Die kommenden Tage sollte es 27 Grad werden und keine Wolke am Himmel zu sehen sein. Somit machten wir uns gleich Richtung Tafelberg auf, den wir selbstverständlich hochliefen anstatt mit der Seilbahn hochzufahren. Die (Ex-) Spowis müssen es sich eben immer wieder beweisen. Und Sandra als erfahrene Wanderin ging es genauso. Wir wählten den kürzesten (aber steilsten) Weg, der uns innerhalb 3 Stunden auf den Berg bringen sollte. Nach 30 min gab es neben der ersten Pause die Erkenntnis, weshalb man auf anderen Routen bis zu 8 Stunden brauchte, um ganz nach oben zu gelangen. Diese waren wohl einfach nicht so extrem steil wie die unsere. Nach knappen 3 Stunden erreichten wir erschöpft und komplett durchgeschwitzt den Gipfel (laut meiner App: 3,95km mit einer Bewegungszeit von 1,5h und einer Höchstgeschwindigkeit von 4,19km/h > es gab demnach häufige Pausen und starke Anstiege). Die Aussicht war dafür überwältigend. Ich kann mich nicht erinnern, bisher solch ein Panorama gesehen zu haben. Die anschließende Stärkungspause weckte wohl tief vergrabene Stärken in uns, da wir denselben Weg nun auch wieder hinab laufen wollten. Während des gesamten vorherigen Aufstiegs hörte man uns nämlich nur fluchen: „Oh man, warum sind wir nicht wie alle anderen hochgefahren? Nach unten nehmen wir die Bahn!“ Paul war der Einzige, der bei dieser Meinung konsequent blieb, fügte sich aber letztendlich der Allgemeinheit und gab neben mir alles, um den Mädels auf dem Weg hinab auf den Fersen zu bleiben. Nach wie vor haben wir keine Ahnung, welche Technik die beiden Bergziegen anwendeten, um so schnell nach unten zu kommen. Nach weltmeisterlichen 1,5h waren wir wieder am Auto und schon ein bisschen stolz, den ganzen Weg zu Fuß absolviert zu haben. Als kurzzeitiges Andenken gab es einen kleinen Sonnenbrand und dicke Beine for free.

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Der folgende Tag war vollgepackt mit lauter Touristenaktionen. Nachdem wir uns die bekannten bunten Häuschen am Strand angeschaut haben (da gibt es aber spektakuläreres), waren wir auf die Pinguinkolonien am Boulders Strand gespannt. Und die waren richtig cool. Das Leben der Pinguine könnten nicht besser sein: es variiert zwischen dem Sonnenbad und der kurzen Abkühlung im Meer. Da könnte man glatt neidisch werden. Nachdem einer von ihnen meine GoPro vernaschen und ein Bergschliefer Sandra tätlich attackieren wollte, haben wir uns Richtung Kap der guten Hoffnung aufgemacht. Dort angekommen, fanden wir uns also am südlichsten Punkt Afrikas wieder – nächste Haltestelle Antarktis. Ich lasse die Bilder einfach für sich sprechen – sollte reichen. Kathi rastete nebenbei fast aus, da sie mit einem Strauß und ein paar Babyäffchen die ersten wirklich wildlebenden Tiere sah. Keine Ahnung, wie sie abgeht, wenn wir die ersten Zebras in Namibia sehen. Auf dem Rückweg fuhren wir auf dem Chapmanns Peak Drive, der angeblich schönsten Küstenstraße der Welt. Das würde ich auch mal so unterschreiben. Zum Abschluss unserer Tour sahen wir uns auf dem Berg neben dem Tafelberg den Sonnenuntergang an. Und auch der war unbeschreiblich. Alles in allem holten wir an diesem Tag alles aus unseren Kameraakkus heraus. Wieder zuhause angekommen, gab es nach dem Essen eine ausgiebige Runde „Skispringen“. Vor allem Kathi, als die amtierende Weltmeisterin, und Paul zeigten (wie überraschend) mir die Grenzen auf. Nachdem mir hinterlistig ein Teil der Beinhaare mit Tape entfernt wurden, konnten wir uns dann auch auf den Weg in die long street machen – der Partymeile in Kapstadt. Wir wählten einen Backpackerschuppen mit cooler Livemusik. Irgendwann haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Dabei setzten die Bettler aber einen neuen Höhepunkt. Mittlerweile haben wir uns ja an einiges gewöhnt und auch ab und an etwas gegeben. Als wir aus dem Club hinausgegangen sind, dachten sich aber fünf Männer, bei den besoffenen Touris gibt`s ganz unkompliziert etwas zu holen. Somit griffen sie im Laufen bei Paul und mir in die Hintertaschen unserer Hosen und suchten nach Geld o.ä. Und ohne zu übertrieben: ohne Gürtel hätten die mir dabei die Hose heruntergezogen, so aggressiv waren die beim Fummeln. Nachdem also jeder von ihnen mehrmals sicherstellen konnte, dass in den Taschen nichts drin war (in Menschenmengen sind die Wertsachen in den vorderen Taschen echt um einiges sicherer) und ich am Ende echt böse gegenüber den Grabschern wurde (und da muss schon viel passieren), verfolgten sie uns nicht weiter.

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Am nächsten (verkaterten) Morgen hatten Paul und ich die ehrenvolle Aufgabe, Mesut abzugeben. Ich hätte mir nichts Schöneres vorstellen können. Nachdem uns der äußerst leistungsstarke Toyota aber erfolgreich 5000km (geplant waren 4000km > man kann also nicht alles korrekt planen) nach Kapstadt gebracht hat, hofften wir auf eine sehr oberflächliche Begutachtung. Und die kleine Delle (beim Ausparken hat sich mir auf einmal nach dem Blick in den Spiegel ein Baum in den Weg gestellt) sowie einige Blessuren unter dem Auto (die hätte selbst Schumi bei den Straßenverhältnissen nicht verhindern können) wurden zum Glück nicht gesehen. Sonst lief an dem Tag nicht mehr so viel. Wir kleideten uns an der Victoria & Alfred Waterfront noch ein wenig mit Klamotten ein und packten abends unsere Taschen. Zwischendurch schnitten wir uns gegenseitig die Haare (außer Kathi mussten alle unter die Maschine). Das lief auch besser als gedacht. Paul freut sich auch schon darauf, mir in einem Monat ein bisschen mehr als nur die Spitzen zu schneiden. Schau`mer mal. Erstmal haben wir die Haare wieder schön.

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Heute früh sind wir mit dem Taxi zur Intercape-Zentrale gefahren. Mit unserem Gepäck sorgten wir bei allen anderen für ein Schmunzeln, da jeder von uns mit einem großen und normalen Rucksack, sowie Zusatzausrüstung wie Kühltruhe, Schlafmatratze etc. ausgestattet war. Auf verschiedenen Wegen schafften wir, für das ganze Zusatzgepäck keine extra Gebühren zahlen zu müssen. Beim Wiegen der Taschen fragte der Mitarbeiter, warum in Paul (!) seiner Tasche etwas Langes und Dünnes vibriert. Um Missverständnissen vorzubeugen, zog Paul seine elektrische Zahnbürste hervor und zeigte – für jeden sichtbar – um was es sich hier handelte. Der Bus war viel luxuriöser als gedacht, was sicher auch an dem verhältnismäßig hohen Ticketpreisen liegt (die Fahrt kostet 55€). Soeben haben wir in der gewohnt langen Prozedur die namibische Grenze passiert und Südafrika somit verlassen. Und BÄM: gerade als ich eingeschlafen bin, hat unser Bus frontal ein Kudu mitgenommen. Der Fahrer hat super reagiert und den Bus sicher zum Stillstand bringen können. Der Scheibe der Fahrerseite ist komplett zersplittert und eingedrückt. Trotzdem sind wir nach einiger Zeit weitergefahren – aber nur bis zur nächsten Raststelle. Dort hieß es, wir werden von einem anderen Bus abgeholt. Also bin ich wieder eingeschlafen. Als ich aufwachte, saß ich noch im selben Bus. Aber es war hell und wir standen mitten in der Prärie. Ohne uns bekannten Grund sind wir nun doch weitergefahren. Nun machte jedoch der Motor nicht mehr mit. Also hieß es wieder warten. Letztendlich sind wir nach 29 statt 20 Stunden in Windhoek angekommen. Paul und Sandra hatten es vor einigen Jahren in 22 Stunden von Deutschland nach Australien geschafft. Aber ich wollte das africa all inclusive paket – und da gehört so ein richtiger Wildumfall wohl mit dazu. Zur Besänftigung (die wir aber eigentlich nicht nötig hatten), spendierten uns die Mitarbeiter morgens um 10 Uhr im Bus ein Big Mac Menü – überragend!

Fazit: Meine Reise hat in einem wirklich atemberaubenden Land begonnen. Vor allem die Tierwelt und Kapstadt haben es mir angetan. Um Tiere zu beobachten, war dies die beste Reisezeit. Um mehr Zeit am Strand zu verbringen und zu surfen, sollte man wohl einige Monate später hierherkommen, denn ich glaube, dass die garden route im afrikanischen Sommer ein wirkliches Surferparadies ist. Kapstadt ist (vor allem im Gegensatz zu den anderen von uns gesehenen Städten) wunderschön und hat wirklich sehr viel zu bieten. Hier kann man locker eine Woche bleiben, ohne dass es langweilig wird. Nachdenklich haben mich die Lebensverhältnisse vieler Menschen gestimmt. Zum einen ist es für uns unvorstellbar, wie präsent HIV und Aids sind. Mehr als jeder fünfte Mensch ist hier HIV positiv. Bei Männern und Frauen zwischen 25 und 45 Jahren liegt die Zahl der Betroffenen sogar bei über 30%. Wenn man dann in der Stadt umherläuft und sich vorstellt, dass jeder, der dir gegenüber steht, aktiv oder passiv von Aids betroffen ist, macht das schon betroffen. Zum anderen ist es echt erschreckend, wie viele Menschen (vor allem auf den Dörfern) in extremer Armut leben. Auf unserem Trip war es völlig normal, dass die Menschen fortlaufend an der Straße Handykabel ö.ä. verkauften (also eigentlich nichts) oder einfach nur herumstanden, bis der Tag zu Ende war. Wenn ich dann noch lese, dass Südafrika die wirtschaftsstärkste Nation des ganzen Kontinents ist, bin ich auf die kommenden Wochen gespannt. Außerdem spürt man dadurch, wie gut es einem doch geht – und das auf eine direkte Art und Weise und nicht durch die Fernsehbeiträge und Spendenaufforderungen zu Weihnachten. Das ist ja auch eines der Ziele, die ich auf der Reise habe.

Also bisher alles super: tolles Land kennengelernt, fast durchgängig gutes Wetter, mit Paul/Sandra/Kathi läuft es optimal…wenn in Namibia und Botswana nun noch der Kontakt zu den Einheimischen intensiver wird, geht´s nicht mehr besser!

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