Chobe Nationalpark, Simbabwe, Victoria Wasserfälle

27.9. 15 Uhr Uhr Chobe Nationalpark, Simbabwe, Victoria Wasserfälle

Schon wieder ist eine Woche vergangen. In dieser Zeit habe ich zwei neue Stempel in meinen Reisepass bekommen, auf den kreativsten Toiletten der Welt gesessen, unglaubliche Wasserfälle betrachtet und mir nebenbei eine Top Frise zugelegt. Doch der Reihe nach:

Nachdem wir die angolanischen Kinder, die auf der anderen Seite des Flusses badeten, abgrüßten, fuhren wir in das dem Chobe Nationalpark naheliegende Ngepi Camp. Zuvor hatte ich mir noch „(Allgemein-)Wissens-Apps“ auf das Handy geladen (man will ja nicht verblöden). Somit glich die Fahrt einem Wandertag ins Museum – nur cooler. Die für uns wichtigsten neuen Erkenntnisse waren, dass Nutella einen Sonnenschutzfaktor von 9,5 besitzt und sich Skorpione durch Alkoholeinfluss selbst zu Tode stechen. Im Camp erwartete uns dann eine Überraschung nach der anderen. Durch seinen Charme eines absoluten Hippiecamps hatte es bei mir sowieso schon gewonnen. Alles war bunt, selbst gemacht und naja – irgendwie öko. Als wir dann aber die verschiedenen Duschen und Toiletten vorfanden, bekamen wir uns nicht mehr ein. Ich war mittlerweile schon in vielen Hotels, Hostels und Pensionen, aber ich bin dort zum ersten Mal von Klo zu Klo gelaufen und habe voller Spannung erwartet, was dort wohl als nächstes kommt. Unter anderen konnte man den „Thron“ besteigen und von dort aus direkt auf den Fluss mit seinen Nilpferden schauen. Denselben Blick gab es aus dem „fish eagle bath“. Man konnte sich Wasser in die Badewanne einlassen und unter freiem Himmel baden und das Panorama bewundern. Das habe ich abends auch gleich gemacht – wenn auch mit relativ kalten Wasser (warmes Wasser gab es nur, wenn man sich an der Rezeption Feuerholz kaufte und mit diesem das Wasser im Boiler erwärmte). Ich dachte mir eben: wenn dann richtig. Unter anderen gab es dann noch das „His & Her“ Klo, den „Queens-Thron“ und den „Unlimited Star Bathroom“. Ich habe einige Fotos angehangen und mir auch schon überlegt, das eine Duschbild von mir bei Schauma & Co einzuschicken. Es sieht jedenfalls nach Spaß aus. Abends haben wir uns noch mit einigen Deutschen, Schweizern und Australiern getroffen. Das Eis wurde sofort gebrochen, als wir beim Beschreiben der stillen Örtchen mit Superlativen nur so um uns warfen. Später zettelten einige Spanier noch eine Mini-Disko an, die um Punkt 0 Uhr beendet wurde. Das war schon gütig, da der Strom überall außerhalb der Bar bereits um 22 Uhr abgestellt wurde (bis morgens 10 Uhr). Fünf Minuten nach Mitternacht saßen wir mit unserem offenen Bier auf einmal allein im Dunkeln und abgesehen von den Geräuschen der Nilpferde war absolute Stille. Am folgenden Tag luden Kathi und ich das bayrische Ehepaar, mit denen wir am Vorabend zusammen gesessen haben, zu einer Tour durch einen kleinen Park ein. Besonders faszinierend waren dort die großen Baobabbäume. Paul und Sandra relaxten in der Zeit im Hippiecamp.

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Im nächsten Camp entspannten wir uns tagsüber in der Hängematte und abends mit denselben Schweizern am Lagerfeuer, die war auch zuvor im Hippiecamp getroffen haben. Das ist uns in der letzten Zeit häufiger vorgekommen. Teilweise sehen wir andere Camper fünf Tage hintereinander in fünf Camps. Das verdeutlicht wohl auch, dass es hier einfach nicht viel gibt und man froh sein kann, wenn man in den wenigen Camps überhaupt einen freien Platz findet. Gestern habe ich zum Beispiel von einer deutschen Gruppe gehört, dass sie erst an der dritten Tankstelle Diesel und Wasser tanken und kaufen konnten – und hier steht nicht Tankstelle an Tankstelle. Solche Dinge können einen wirklich vor Probleme stellen.

Am nächsten Morgen ging es dann nach Botswana. Weniger besonders war hier die Kontrolle der Lebensmittel (Milchprodukte und andere verderbliche Produkte dürfen nicht eingeführt werden) – ein kurzer Blick in den Kühlschrank reichte aus und weiterfahren zu dürfen. Weitaus amüsanter war die Regel, dass kein namibischer Sand/Dreck nach Botswana eingeführt werden darf. Deshalb fuhren wir mit dem Auto durch ein kleines Wasserloch und mussten zuvor einzeln auf einen nassen Lappen treten, der aber dreckiger war als alle unsere Schuhe zusammen. Nun gut, andere Länder, andere Sitten. Nachdem wir auch erfolgreich den „Ebola-Stand“ durchliefen (Kontrolle einer Krankenschwester, woher wir kommen und wo wir überall waren), durften wir einreisen. Voller Vorfreude verpassten wir jedoch die reguläre Einfahrt in den Chobe Nationalpark, in dem die größte Elefantenpopulation der Welt zu Hause ist. Somit fuhren wir einige Kilometer die „Game Drive“ Strecke, die normalerweise nur Guides mit ihren Tourwagen bestimmt ist. Irgendwie kamen wir trotzdem an, ohne im Sand stecken zu bleiben. Auf dem Weg dorthin sahen wir unter anderem eine Elefantenherde von über 70 Tieren – überwältigend! Nachdem wir im Camp unser Missverständnis aufgeklärt hatten (durch die andere Route umfuhren wir den Eingang des Nationalparks und somit auch den Eintritt), aßen wir eine Kleinigkeit und fuhren dann nochmal eine kleine Tour. Als wir wieder zurückkamen, saßen mindestens ein Dutzend Affen auf unserem Campingplatz. Und auch hier passte wieder der von Sandra individuell einzusetzende Ausspruch: „Ohhh, Affen!“ Warum individuell einsetzbar? Weil der Ton wie immer die Musik macht. Zu Beginn unserer Reise hieß es „Ohhh, Affen!“ (Stimme klingt freudig erregt). Nach einigen Bekanntschaften, die u.a. das Werfen von Fäkalien und das Klauen von Keksen beinhaltete, hieß es bald nur noch „Ohhh, Affen!“ (Stimme klingt genervt). Und so auch dieses Mal. Die Nervensägen hatten tatsächlich unsere schweren Kisten, die wir nach dem Essen am Rand unseres Campingplatzes verschlossen hinterlegten, aufgebrochen und Zwiebeln, Kaffee, Grillanzünder und Streichhölzer geklaut.

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Abends sahen sie uns dann aus den Baumgipfeln zu, wie wir um ein großes Lagerfeuer saßen. Das sollten wir nach Einbruch der Dunkelheit am Laufen halten, da der vorbeikommende Ranger sagte, dass Löwen im Camp gesichtet wurden und diese das Feuer eher meiden. Das war also Botswana, so wie man es in den Internetforen liest: Tiefsandstraßen und nicht umzäunte Camps, durch die wilde Großkatzen ziehen. Wir waren anscheinend schnell angekommen. Löwen sahen wir zwar nicht (obwohl uns der Ranger am nächsten Morgen sagte, dass er in der Nacht einen Löwen gesehen hat), dafür haben uns die Affen das nicht nur ihre Artgenossen in Südafrika mit Fäkalien um sich werfen können. Die komplette Motorhaube war voll. Anscheinend war der Kaffee schlecht oder der Grillanzünder hatte nicht funktioniert. Auf der Fahrt durch den Nationalpark sahen wir dann einige unglaublich riesige Löwenweibchen ganz nah vor uns. Auf dem Rückweg sind wir, bzw. ich, im Sand steckengeblieben. Durch die Tricks, die wir uns von den Guides abgeschaut hatten, die uns in der Soussusvlei-Wüste aus dem Sand holten, ging es aber relativ schnell weiter. Spaß macht das Fahren hier, auch wenn es wirklich anstrengend ist, auf jeden Fall. Das ist so ähnlich wie das Tiefschneefahren; nur dass ab und an ein wütender Elefant auf der Fahrspur steht, die man aufgrund des hohen Sandes nicht wechseln kann. Stehenbleiben ist aber auch nicht möglich, weil man dann nicht mehr aus dem Sand herauskommt, ohne auszusteigen, die Luft von den Reifen zu lassen, zu buddeln und zu schieben. Aber da wäre ja immer noch der wütende Elefant.

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Am Abend kamen wir in Kasane an. Laut google soll Kasane bezüglich der Einwohnerzahl unter den Top 25 in Botswana sein. Nachdem wir merkten, dass man dort nach fünf Minuten durchgefahren ist, recherchierten wir später im Camp ausführlicher. Überschaubare 9000 Menschen wohnen hier (nur die Hauptstadt Gabarone hat über 100.000 Einwohner). Beim Abendessen zeigte uns Paul seine Qualitäten als Fackelträger, da er mit dem Campingstuhl nach hinten umfiel, aber die Bierflasche immer oben hielt, so dass kein Tropfen verschüttet wurde. Pierre de Coubertin und wohl auch die Freiheitsstatue wären stolz auf ihn gewesen.

Am kommenden Tag passierte außer einer gründlichen Begutachtung des Poolbereiches nicht viel. Wir buchten noch eine Tour zu den Victoria Wasserfällen für den kommenden Tag und kauften noch einige Lebensmittel ein. Hierzu noch eine kleine afrikanische Eigenart: wenn man im Lebensmittelgeschäft eingekauft hat, muss der Kassenbon vor dem Ausgang noch einmal einem Mitarbeiter vorgelegt werden, der dann jeden einzelnen Artikel im Wagen mit dem Bon abgleicht, damit keine Artikel in den Wagen geschummelt wurden. Wir sind jedoch immer noch total verblüfft, wie diese Mitarbeiter die Kassenzettel mit über 50 Artikeln in weniger als zehn Sekunden vollständig kontrollieren (leichte Ironie).

Am nächsten Morgen holte uns ein Bus ab, der uns zur Grenze nach Simbabwe bringen sollte, da die Victoria Wasserfälle entweder von Sambia oder Simbabwe zu besichtigen sind. Der running gag für den weiteren Tagesverlauf kam jedoch gleich zu Anfang. Der Busfahrer fragte uns: „Are you the lemons?“ Ich dachte zuerst „Hä?“ und danach an die Frau bei Hitradio Namibia, die auf Sendung nach Zitronen suchte. Vielleicht hatte es ja mit den Zitronen wirklich irgendetwas Besonderes auf sich. Denn er fragte nochmal, ob wir die Zitronen sind. Nach einigem Überlegen fanden wir heraus, dass er „the Lehmann`s“ meinte (Paul hatte die Fahrt unter seinem Namen gebucht). Seitdem heißen wir nur noch „Reisegruppe Zitrone“. Übrigens wurde mir aus Deutschland mitgeteilt, dass Hitradio Namibia dank Internet auch bei euch zu empfangen ist. Mein Tipp: wenn es langsam kalt werden sollte, dann setzt euch mal am Wochenende ab 11 Uhr (!) mit einem Tee vor den Laptop und schaltet Hitradio Namibia ein. Ich verspreche euch, es lohnt sich! Nach der gewohnt langen Prozedur an der Grenze betraten wir das fünfte afrikanische Land während unseres Trips (Südafrika, Swasiland, Namibia, Botswana, Simbabwe) und sahen zusätzlich noch Angola und Sambia direkt vor uns – gute Quote, wenn man bedenkt, wie groß die meisten dieser Länder im Vergleich zu Deutschland sind. Die Victoria Wasserfälle waren dann gigantisch. Während der Trockenzeit ist es wohl besser, diese von unten zu sehen, bzw. direkt vor sich, da die Gischt diese Schönheit der Natur nur ein wenig verdeckt. Im April zur Regenzeit strömen hier viel größere Mengen an Wasser hinunter, die ein Begutachten dieses Highlights nur mit einem Helikopter ermöglichen. Die billigere Variante war uns auch ganz lieb. Trotz der verhältnismäßig geringen Wassermassen wurden wir klitschnass, obwohl wir die Wasserfälle noch gar nicht sahen und keine Wolke am Himmel zu sehen war. Die Gischt war echt unbeschreiblich. Später schauten wir auf der anderen Seite der Wasserfälle (Sambia-Seite) noch einigen Leuten zu, die sich in den devils pool setzten. Wer nicht weiß, was das ist, kann es ja mal googlen. Es gibt zig Videos auf youtube und das ist sicher auch ein Grund, warum der Preis für diese zweistündige Tour mittlerweile bei mindestens $120 liegt. In den Zeiten ohne Go Pro und youtube war dieser „Pool“ noch for free. Trotz der Umstände (Fahrt über Grenze nach Sambia und wieder zurück, da die Tour nur von Sambia aus geht) und des hohen Preises von $160 (inkl. Visa, Transport) hätten Kathi und ich den Spaß mitgemacht. Man ist ja nur einmal hier. Leider waren die kommenden Tage bereits komplett ausgebucht, sodass wir am nächsten Tag den Pool im Hostel zum devils pool beriefen und das Geld nun für anderen Blödsinn nutzen können. Einen Teil von diesem investierte ich bereits am nächsten Tag im Wellnesstempel. Eine afrikanische Frau erzählte uns, dass sie in ihrem Zimmerchen neben Massage auch Pediküre, Maniküre und was weiß ich nicht noch alles macht. Und sie konnte auch Haare machen. Also habe ich mir mal einen Friseurbesuch in Simbabwe gegönnt – und ihn aus praktischen Gründen für die nächste Zeit ziemlich radikal ausfallen lassen. Nur so viel, es war eine Erfahrung wert. Nach einer vollen Stunde Dauerrasur einer sehr nervösen Frisörin musste in Botswana im „Salon Lèman“ (französische Aussprache) zwar trotzdem noch zweimal korrigiert werden, aber dann lief`s. Im Anschluss hat sich Paul dann sogar spontan dazu entschlossen, einen ähnlichen Look wie ich zu tragen. Ich holte mir also schnell Sandras Einverständnis und ließ die Maschine kreisen. Bisher überwiegt noch seine Skepsis – vielleicht verschwindet sie noch. Abends gab es dann nach einigen leckeren Cocktails das lang ersehnte Skype-Date mit Maik, dessen Stirn ich aufgrund seiner phänomenalen Kameraführung seltenst aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln bestaunen durfte.

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Zum Camp haben wir durch eine Schnitzeljagd gefunden. Im Internet war die Beschreibung zu finden, die u.a. folgende Hinweise enthielt: „Fahren Sie bis zur Ruine der Bushaltestelle und fahren Sie dann auf der kurvigen Straße bis zum Wassertank.“ Dort angekommen, erkannten wir, dass man hier wieder einmal ohne Zäune auskommt. Hier hat man sich jedoch etwas ganz spezielles einfallen lassen. Das künstlich gelegte Wasserloch liegt maximal 15m vor den Sitzmöglichkeiten für die Campbesucher. Das wäre in etwa so, als ob man sich einen Stuhl mit in den Zoo bringt und sich einfach zu den Elefanten in das Gehege setzt – nur, dass diese hier wild sind. Vorher standen 20 Elefanten direkt vor uns. Und direkt heißt auch direkt, da man zusätzlich in einem Bunker bis vor das Wasserloch laufen kann. Wie nah? So nah, dass wir uns bei einem Pupser eines Elefanten wegdrehen mussten. Natur pur!

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Heute fahren wir nicht weg und bleiben im Camp, da Paul seit heute Nacht ziemlich starke Magenprobleme hat. Entweder liegt es an der Hitze, die die letzten Tage immer extremer wird oder sein Körper stößt seine neue Frisur ab. Da Dortmund soeben auch noch gegen Schalke verloren hat, müssen wir jetzt wohl tief in der Trickkiste graben, um ihn wieder aufzuheitern.

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