Tsitsikamma National Park

30.8. 1:30 Uhr Mossel Bay – Backpacker Hostel

 

Asche über mein Haupt: ich liege 2 Tage im Verzug. Aber ich habe eine begründete Ausrede. Welche? Kommt später.

Am Tag des Bungeesprungs starteten wir entspannt in den Tag, bis der Wind mal wieder aufdrehte und er es zur Freude von Paul und Sandra mehrmals schaffte, mich am Essen zu hindern, indem er das durchnässte Zelt auf mich katapultierte. Als ich Sandra im Anschluss jedoch in alter Twilight-Manier vor einem erneuten Zeltangriff rettete (Vergleich leicht übertriebene Filmszene: Auto wird von dem blassen Vampir kurz vor dem Mädchen äußerst brutal gestoppt), konnte der Tag für mich nur erfolgreich ausgehen. Auf der Fahrt versuchte Paul seine Aufregung mit Lesen zu minimieren – nach eigener Aussage sogar erfolgreich. Direkt vor dem Ort des Geschehens fuhr ich erst einmal über die Brücke, um uns aus dem Auto die Lage bewusst werden zu lassen. Nach der Anmeldung wurden wir gewogen (alles noch im Rahmen), angezogen und aufgeklärt. Mit sieben anderen Verrückten ging es dann unter die Brücke. Uns stand ein 200m langer Weg bevor, um unter der Fahrbahn zur Mitte der Brücke zu gelangen. Und schon der war nicht ohne, da wir auf löchrigen und wackligen Metallplatten liefen. Dort angekommen hatte ich die Ehre, als erster den Weg nach unten anzutreten. Große Klasse; in der Schule und Uni hieß es schon immer: „A wie Albrecht: Chris, komm nach vorn!“ Und es hört wohl nicht auf. Dieses Mal lag der Grund aber darin, dass Paul und ich die Einzigen waren, die eine GoPro benutzten. Und da genug Zeit bleiben sollte, diese zu übergeben, musste einer zu Beginn und der andere am Ende springen. Langer Rede, kurzer Sinn: ich stand am Rand der Brücke und dachte nur: „Ach du Sch****! Da springe ich niemals runter (der Sprung von 9 Jahren in Erfurt aus 60m war eben doch was anderes).“ Aber dann zählen die Typen links und rechts neben einem runter und bei „0“ springst du dann eben doch. Und es war echt wieder geil. Wer schauen möchte, ob die Hose wirklich trocken geblieben ist: Auf https://www.youtube.com/watch?v=QklvqPuHA_0 gibt’s den Spaß nochmal in bewegten Bildern. Paul hat das Ding nach mir natürlich genauso durchgezogen – und dem Spiderman, der ihn wieder nach oben bringen sollte, direkt noch eine mitgegeben. Angeblich hat er ihn nicht kommen sehen. Ich glaube aber, er wollte einfach noch einmal 20m fallen gelassen werden. Der Plan ist dann auch aufgegangen. Sandra war äußerst erleichtert, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten (und sie hat gefilmt anstatt zu trinken!).

Dass wir jedoch trotz unseres todesmutigen Sprunges nur ganz kleine Fische im großen Teich sind und unser Adrenalin erst gar nicht in zu viel Testosteron umgemünzt werden brauchte, machte uns am späten Nachmittag Thor, Petrus und wahrscheinlich auch noch der Wetterfrosch deutlich. Beim Zeltaufbau direkt am Meer (der Platz wurde uns zugewiesen) merkten wir schnell, dass dieses keine halbe Stunde bei diesem Sturm aushalten würde. Somit buchten wir zwei kleine Hütten für die nächsten beiden Nächte. Das kostete uns zwar ein bisschen mehr, aber das sind wohl die unausweichlichen Zusatzkosten, mit denen ich während meiner Reise ab und zu rechnen muss. Leider war es in der Hütte nicht unbedingt wärmer als draußen und so lag trotz einer Schicht von drei Decken über, eine äußerst kalte Nacht vor mir.

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Gestern startete der Tag richtig freundlich. Deshalb liefen wir zuerst den mouth trail ab. Im Nachhinein gesehen, war das die Erwärmung für den anschließenden otter trail. Letzterer ging über 42km. Wir liefen „nur“ die ersten 10km und wieder zurück, wobei das Wort laufen durch klettern und rutschen ersetzt werden müsste. Unser Ziel war ein Wasserfall, der aber im Laufe unserer Wanderung in immer weitere Ferne rückte, da der Sturm und Regen immer stärker wurde und sich bei uns nach anfänglicher „Ach, das macht das richtige Abenteuer aus“-Stimmung totale Resignation breit machte. Kein Wort wurde mehr gesprochen und jeder versuchte nur, schnellstmöglich raus aus dem Sturm und den Klamotten und rein in die warme Dusche zu kommen. Nachdem sich die Mehrzahl unserer Wandergruppe gründlich mit Matsch verziert hat (zur Feier des Tages hatte ich meine beige Hose an), kamen wir nach 2,5h wieder in unseren Hütten an. Völlig durchnässt und hungrig habe ich aber dafür endlich Chamäleons gesehen. Und die hatten sogar Namen: Sandra, Paul und Chris. Wir hatten unsere Farbe im Vergleich zum Beginn des Tages beeindruckend geändert. Naja, der Wasserfall war übrigens absolut lachhaft für die Strapazen, die wir auf uns genommen haben. Als Belohnung mussten also die Dusche und das Essen herhalten. Auch wenn wir uns sicher waren, dass bei dem Gestank das warme Wasser mit Benzin gemischt wurden sein musste (hätte ich ein Streichholz gehabt, hätte ich die Entflammbarkeit in der Dusche überprüft), genossen wir die Wärme. Ich glaube, für solche Momente lebe ich gerade. Tags zuvor war es noch die ekligste Dusche überhaupt und auf einmal war sie „alles.“ Nachdem ich mir fünf Socken in der Hütte angezogen hatte (ich hatte leider nicht mehr), ließen wir den Abend mit einem kleinen Stück Fleisch ausklingen (siehe Foto). Nachdem wir dazu drei Kannen Schwarztee getrunken hatten und uns immer noch nicht warm wurde, kamen Paul und ich auf die Idee, Bier im Topf zu erhitzen. Im deutschen Winter gibt es das doch auch auf den Weihnachtsmärkten in Kombination mit Kirsche. Total euphorisch von unserem genialen Einfall kosteten wir den edlen Tropfen – und sagen wir mal so: es gibt besseres. Nachts war es dann so kalt, dass ich mir heißes Wasser aus dem Boiler in die Teekanne goss und neben mein Bett stellte, um durch den Wasserdampf etwas Wärme zu spüren. Da war einfach an Blog schreiben nicht mehr zu denken. Und da  schmeißt ihr euch gerade in Deutschland im August ein paar Eiswürfel über den Kopf – im afrikanischen Winter leben die harten Jungs.

 

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Heute früh packten wir unsere immer noch nassen Sachen (mussten sie gestern waschen und „trocknen“) ins Auto und fuhren die garden route entlang, die nun bis nach Kapstadt führt. Diese ist für viele die schönste Ecke Südafrikas. Und das wäre sie auch für mich – zu einer anderen Jahreszeit. Im Sommer lässt sich hier super surfen. Aber das funktioniert aktuell leider nicht. Deshalb sind wir bis nach Mossel Bay durchgefahren (geplant und bezahlt war eigentlich ein Campingplatz, der bei dem Wetter aber bei unserer Amateurausrüstung für uns nicht möglich gewesen wäre) und haben uns die Stadt, den Leuchtturm und einige Buckelwale angeschaut (50m vom Strand entfernt, unglaublich!). Als Paul dann auch noch eine Pizza „to go“ fand (er hatte vorher Appetit auf Pizza und wollte etwas „auf die Hand“ > siehe Bild), war das schlechte Wetter vergessen. Nachdem wir uns Abends im Hostel „endlich“ mal wieder Nudeln gemacht hatten (Paul rebelliert langsam, weil ich in Kapstadt einmal Nudelauflauf machen möchte), genossen wir noch ein kleines Konzert eines Sängers, der hier im Hostel mit Gitarre und Mundharmonika richtig gut abging. Morgen lassen wir uns nochmal überraschen, wo wir schlafen werden und ab übermorgen sind wir in Kapstadt. Laut Wetterbericht soll das Wetter dort wieder besser werden. Muss es auch, da wir Kathi ja ordentlich begrüßen wollen. Somit geht es ab dem 31.8. dann zu viert weiter.

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